Gleitreibwert bei maschineller Verarbeitung von Versandbeuteln im Versand

2 min lesen 13 Oktober 2019
Wenn etwas reibungslos läuft, ist das immer eine gute Sache. Wirklich? Bei DHL haben Sie uns etwas anderes erzählt. Und zwar von Folienversandtaschen, die aufgrund zu geringer Reibung nicht über die Rollenbahnen laufen können und daher zu hunderten (tausenden?) in grosse Auffangbehälter fallen. Dort werden sie dann einmal am Tag von Hand weiterverarbeitet. Das ist im Einzelfall ärgerlich und bedeutet, dass Ihre Ware bereits einen Tag früher hätte beim Kunden sein können. Fallen bei der manuellen Nachbearbeitung jedoch zahlreiche Sendungen von ein und demselben Versender auf, hat das weitreichendere Konsequenzen: In solchen Fällen kommt es vor, dass DHL Kontakt mit dem Absender aufnimmt und die zukünftige Verarbeitung von diesen Sendungen ablehnt.

Das Prinzip der Reibungsminimierung

Uff. Reibungslos ist anders! Wir haben daher bei DHL nachgehakt und haben erfahren, was aus Beförderungssicht einen „guten“ Versandbeutel ausmacht. Und sind bei der ISO Norm 8295 fündig geworden:

Wann immer zwei Oberflächen im direkten Kontakt aufeinander treffen, findet eine Mikroverzahnung statt: Die Oberflächen, abhängig vom Gleitreibwert der Materialien, greifen mehr oder weniger ineinander und bremsen somit die Bewegung ab. Es gibt etliche Sportarten, die sich das Prinzip der Reibungsminimierung zunutze machen: Der Ski wird vor der Abfahrt noch einmal gewachst, das Eis vor dem Curling-Stein wird gewischt – um Schmutz zu entfernen, aber auch um das Eis zu erwärmen und dem Stein somit eine möglichst lange Gleitphase auf dem Wasserfilm zu ermöglichen.

Der Gleitreibwert macht den Unterschied bei Postverpackungen

Der Gleitreibwert wird angegeben in µ und definiert sich aus den beiden aufeinandertreffenden Materialen und der damit einhergehenden Oberflächenstrukturen. Gewicht der Objekte sowie die Auflagefläche spielen keine Rolle; eine grosse Rolle spielt dagegen, ob eine Oberfläche nass, trocken oder womöglich sogar fettig ist. Je höher der Wert (er wird anhand spezieller Prüfverfahren festgestellt und beträgt maximal: 1µ*), desto höher ist die „Verzahnung“ der beiden Materialien miteinander. Holz auf Holz (trocken) beispielsweise hat einen Gleitreibwert zwischen 0,3µ und 0,5µ, Stahl auf Eis – zum Beispiel beim Schlittschuh- einen Wert von 0,03µ.

* Nicht verwechseln: µ (sprich: mü) wird auch als Angabe für Materialstärke angegeben. Hier ist µ als dimensionslose Kennzahl (z.B. 0,6) gemeint, die die Reibungskraft verstärkt oder abschwächt.

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