Plastik recyceln: Ein Geschäftsmodell?

3 min lesen 17 Januar 2019
2014 wurden weltweit 311 Millionen Tonnen Plastik aus Erdöl hergestellt. Behalten wir unsere Lebensweise und unsere Gewohnheiten bei wie bisher, geht man davon aus, dass sich dieser Wert bis 2050 sogar vervierfacht, auf 1124 Millionen Tonnen.
Nur knapp die Hälfte des Kunststoffabfalls wird recycelt. Welche Probleme und welche Möglichkeiten gibt es beim Plastik recyceln?
Begrüssenswert: Das Verbot von Plastiksackerl und Einweg-Strohhalme in Österreich. Ein „Plastik-Problem“ haben wir aber dennoch!

Recyclingquoten in der Schweiz

Die Recycling-Quote in der Schweiz beträgt 53 %, das heißt mehr als die Hälfte der Siedlungsabfälle von Haushalten und Gewerbe wird wiederverwertet. Gerade wenn es um das Einsammeln und Wiederverwerten von Glas und Aluminium sowie von PET-Flaschen und Altpapier geht ist die Schweiz vorbildlich: Laut Swiss Recycling wird bei diesen Materialien zwischen 81 und 94 Prozent wiederverwertet.  Allerdings hinkt sie beim Recycling von Plastikverpackungen im Vergleich mit den Nachbarländern hinterher: die Schweiz verbraucht dreimal so viel Plastik  wie andere europäische Länder, rezykliert aber 30 % weniger. Die Recyclingquote liegt bei 25 Prozent, der Rest wird verbrannt.

Warum fällt überhaupt so viel Verpackungsmüll an? Die Gründe sind vielfältig: Kleinere Portionen für Single-Haushalte, der Online-Versandhandel und der Trend zum „To go“-Konsum sowie zusätzliche Funktionen wie Dosierhilfen und aufwendige Verschlüsse.

Einweg-Nutzung als Problem

Das Plastik wird in allen möglichen Produkten „verbaut“, innerhalb der Europäischen Union geht der Löwenanteil mit rund 40% jedoch in Verpackungen. Davon wiederum gelten 90% als Wegwerf- beziehungsweise Einwegprodukte und landen nach kurzem, einmaligen Gebrauch, wieder im Müll.

Umwelttechnisch ein Desaster. Aber auch wirtschaftlich völliger Unsinn, sagt das Weltwirtschaftsforum WEF. Pro Jahr landen so weltweit 120 Milliarden (!!!) US-Dollar nach einmaligem Gebrauch im Müll!

Lösungsansatz und Geschäftsidee?

Einen möglichen Ansatz verfolgt Michael Hofmann (HdydroDyn): „Warum sollte nicht auch Kunststoff als nachwachsender Rohstoff gesehen werden? Die Quelle ist nur einfach nicht der Wald in dem Bäume wachsen, sondern die Städte, in denen die Menschen täglich Abfälle produzieren und die Müllmengen wachsen.“

Seine riesige, in Containern gebaute Anlage, die aus mehreren Maschinen besteht, reinigt den Müll und verarbeitet ihn zu neuem Material. Das ist dann die Basis für neue Kunststoff-Produkte.

Neben HydroDyn Systems in Hamburg gibt es noch weitere Unternehmen, die entsorgtes Plastik durch Recycling zu wiederverwendbarem Rohstoff machen: Herbold Meckesheim, Pla.to und Sorema aus Italien, beispielsweise.

Die Problematik beim Plastik-Recycling

Zu überwiegend grossem Teil bestehen unsere Kunststoff(einweg)verpackungen aus Verbundmaterial, die Trennung so gut wie unmöglich. Das heisst, verschiedene Kunststoff-Arten müssen zu einem Material „verschmolzen“ werden, das sich im Anschluss wieder verarbeiten lässt und den Ansprüchen zum Beispiel im Lebensmittelbereich entspricht. Komplex – und eine grosse Herausforderung.

Lesen Sie hier weiter:

Welche Alternativen zu Plastik in der Verpackung gibt es mittel- und langfristig? Und was können wir bereits heute an unserem Konsumentenverhalten ändern?

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