Papierrecycling – der Umwelt zuliebe

6 min lesen 10 März 2021
Druckerpapier im Büro, der Coffee-to-go-Becher, die Verpackung der Onlinebestellung oder die Tapete – und nicht zu vergessen das zu kurioser Berühmtheit gelangte Klopapier… Papier gibt es in den unterschiedlichsten Varianten und es wird nahezu in jedem Bereich eingesetzt. Und das unheimlich verschwenderisch! Rein rechnerisch hat im Jahr 2021 jeder Schweizer und jede Schweizerin 107 Kilogramm Papier oder Kartons verbraucht. Die Schweiz verzeichnet seit 2014 beim Papierverbrauch einen kontinuierlichen Rückgang. Anders in Deutschland: Trotz moderner Technologien und der Digitalisierung steigt der Papierverbrauch weiter an.

Das Nachbarland Deutschland, mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 247 kg gilt in diesem Zusammenhang als trauriger Rekordhalter, nur China, USA und Japan verbrauchen noch mehr Papier. Betrachtet man jedoch die Einwohnerzahlen der anderen Länder, wird schnell klar, dass die Deutschen den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch haben. Den Titel Recyclingweltmeister erhält ebenfalls Deutschland. Kein anderes Land erreicht so hohe Recyclingquoten, der Altpapierverbrauch im Verhältnis zum gesamten Papierverbrauch lag 2017 mit 83,6 Prozent so hoch wie nie. Die Schweizer bringen es immerhin auf eine Recyclingquote von 81%.

Was hat sich 2020 verändert?

Eine der spannendsten Fragen zuerst: Welche Auswirkungen hatte und hat die Corona-Pandemie auf den Verbrauch an Papier und Karton sowie auf die Recyclingprozesse?

Während unter anderem die Schweizerische Papierindustrie Mitte 2020 wegen pandemiebedingt verlangsamten oder sogar stillstehenden Prozessen noch vor dem Kollaps der Kreislaufwirtschaft warnte, zeigte man sich Ende Dezember wieder zuversichtlich: Das Engagement bei der Mülltrennung war und ist auch 2020 ungebrochen hoch.

Beim Altpapier zeigt sich eine Verlagerung: Papier und Druckerzeugnisse erfuhren einen Rückgang von 3,8 Prozent. Besonders davon betroffen: Zeitungen und Zeitschriften – aufgrund vermehrter Nutzung digitaler Medien und – bedingt durch den Lockdown -dem Minus zum Beispiel an Werbeprospekten zurückzuführen. Im Gegensatz dazu steigen Verpackungen aus Karton oder Pappe durch den Online-Handel an.

Altpapier Recycling
Quelle: recyclingmagazin.de
Aber: Weltweit wurden gerade einmal 8,6 % der weltweit im Einsatz befindlichen Rohstoffe nach Gebrauch wiederverwendet oder einem Recyclingprozess zugeführt!Circularity Gap Report 2021

Was landet in der Papiertonne?

Am Beispiel des Nachbarlandes Deutschland zeigt sich: Den grössten Anteil machen mit, 48 Prozent, Verpackungspapiere aus. Immerhin rund 32 Prozent aller in Deutschland 2020 verbrauchten Papiere entfallen auf Druck- und Pressepapiere. Darunter versteht man alle Papiere, die für Zeitungen, Zeitschriften oder als Schreib- und Kopierpapier verwendet werden.

Verbraucher wie Händler und Industrie sind gleichermassen gefragt!  Im Einklang mit unseren 5 Verpackungsgrundsätzen Reduzieren, Wiederverwenden, Ersetzen, Nachwachsen und Recyclen umfasst das Sortiment eine Vielzahl an Recycling-Produkten und umweltfreundlichen Verpackungen.

So geht Papierrecycling

Das Altpapier wird je nach Region in blauen Tonnen, in Containern oder vom örtlichen Verein eingesammelt. Wie auch beim Recycling von Kunststoff kommt es auf die Trennung des Rohstoffes nach Papierart an. Im Sortierhof werden die unterschiedlichen Papierarten erstmal sortiert: Fremdkörper wie Kunststoffe werden entfernt und dunkle Papiersorten werden von hellen getrennt. Denn aus dem braunen Versandkarton wird kein weisses Druckerpapier. Dunkle Papierarten werden wieder zur Produktion von dunklen Produkten verwendet.

Anschliessend beginnt der Recylingprozess: Das Papier wird zerkleinert und die Druckfarbe mit dem sogenannten Deinking-Verfahren entfernt. Das bedeutet, das Papier wird in Wasser, Peroxid und Natronlauge gegeben und in seine Bestandteile zerlegt. Die Natronlauge sorgt dafür, dass die Papierfasern besser aufquellen, die Seife spült die Druckfarben quasi aus. Es entstehen Schaumblasen, die die Farbe aufnehmen und anschliessend abgesaugt werden.

Der Recyclingprozess

Danach beginnt die eigentliche Papierproduktion: der Faserbrei wird gepresst und getrocknet, um den Feuchtigkeitsanteil zu entfernen. Je nach Anforderungen an das Papier wird es noch zusätzlich gebleicht oder bemalt.

Papierrecycling ist aber nicht unbegrenzt möglich. Nicht alles Altpapier kann recycelt werden. Irgendwann werden die Holzfasern zu kurz und es können keine beständigen Papiere mehr hergestellt werden. In der Regel ist ein Recycling bis zu sechs Mal möglich.

Das Wissenschaftsmagazin Galileo hat einen Recyclinghof besucht und den Recyclingprozess begleitet:

Vorteile von Recyclingpapier

Laut Papieratlas wird mit einem Blatt Recyclingpapier die Energie zum Erwärmen einer Tasse Kaffee eingespart und schon bei 1.000 Blatt Recyclingpapier die Wassermenge einer gefüllten Badewanne. Der Blaue Engel ist ein Umweltzeichen, das langlebige und umweltfreundliche Produkte auszeichnet, unter anderem auch Recyclingpapiere. Dort hat man einen klaren ökologischen Vorteil errechnet: Durch Recyclingpapier werden im Vergleich zu herkömmlichen Papieren 70 Prozent Wasser, 60 Prozent Energie und 100 Prozent Holz eingespart. Und trotzdem ist Recyclingpapier ebenso langlebig wie Frischfaserpapier und dazu meist günstiger im Einkauf.
Auch wenn in vielen Köpfen die Erinnerung an die ersten Recyclingpapiere verankert ist, weist das Papier die gleiche Qualität wie Frischfaserpapier auf. Und wenn es denn weisser sein soll, kann auf unterschiedliche Papierarten zurückgegriffen werden, mit 60er, 70er, 80er oder 100er Weisse. Wenngleich das Papier nur so weiss wie nötig sein sollte, denn eine höhere Weisse geht mit einer aufwändigeren Aufbereitung und höheren Faserverlusten einher.

Zusammengefasst heisst das:

  • Recyclingpapier reduziert den Müll, denn Altpapier ist ein Rohstoff, der weiterverarbeitet wird.
  • Recyclingpapier schont die Umwelt, kein Baum wird dafür gefällt und Transportwege durch den Import von Holz werden eingespart.
  • Recyclingpapier schont Ressourcen durch Wasser- und Energieeinsparung.  

Papierverbrauch reduzieren und recyceltes Papier verwenden

Von der Papierkunst aus vergangenen Tagen ist wenig übriggeblieben – Papier ist zum Wegwerfprodukt verkommen. Umso wichtiger ist es, möglichst viel recyceltes Papier einzusetzen und Ressourcen zu schonen.
Recyclingpapier bringt die gleiche Qualität, was Haptik und Optik angeht, mit wie solches aus Frischfasern. Bei Tests mit Hochglanzdrucken wurden bei einer Umfrage des Marktforschungsinstigut TNS Emnid die Papiere als gleichwertig empfunden. Beim Einkaufen sollte man also darauf achten, zu Produkten aus recyceltem Papier mit dem Umweltzeichen Blauer Engel zu greifen.
Oder noch besser: wenn kein Papier verwendet wird, wird es eingespart! Betrachtet man den hohen Verbrauch in Deutschland, kann so jeder einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Das deutsche Umweltbundesamt empfiehlt daher unerwünschte Zeitungen und Werbungen abzubestellen, auf digitale Dokumente zurückgreifen, immer beide Papierseiten zu verwenden und auch Recyclingpapier nur sparsam einzusetzen.
Nichtsdestotrotz darf auch nicht vergessen werden, dass Papier ein nachwachsender Rohstoff ist, der meist die umweltfreundlichere Alternative ist.

Papier als Verpackungsmaterial ist ein Evergreen. Mit Papier lässt sich füllen, polstern, dämmen, einwickeln, schützen… und es lässt sich nach Gebrauch recyclen. Zum Beispiel als Polster in Papierversandtaschen. Hier weiterlesen:
Versandtasche mit Papierpolster
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