RAJA’s 5 Verpackungsgrundsätze

6 min lesen 02 Juni 2020
Verpacken und Umwelt – nur scheinbar ein Widerspruch.
Fakt ist: Gebrauchte Verpackungen machen den grössten Teil der Abfälle aus Haushalten aus. Die Menge steigt seit Jahren, und im Jahr produzieren die Schweizer rund 80 bis 90 Millionen Tonnen Abfall jährlich.
Fakt ist aber auch: Verpackungen schützen beim Transport, halten Lebensmittel frisch und dienen der Hygiene – und tragen so dazu bei, Abfall zu vermeiden. Sie sind nötig und nicht wegzudenken.
Die eigentliche Frage ist also nicht, ob wir verpacken, sondern wie. Und diese Frage müssen sich alle am Verpackungskreislauf beteiligten Akteure stellen, immer und immer wieder. Denn immer wieder ändern sich Rahmenbedingungen, es gibt neue Erkenntnisse, neue Gesetze und neue Materialien. Die entscheidende Frage: Wie geht nachhaltiges Verpacken?

Wen sehen die Befragten einer Umfrage des BMU in der Hauptverantwortung, Verpackungen zu reduzieren?

Wir nehmen den Aktionstag „Weltumwelttag“ am 05. Juni zum Anlass, unsere Herangehensweise an nachhaltiges Verpacken, zusammengefasst in unseren 5 Verpackungsgrundsätzen, vorzustellen:

Grundsatz Nr.1: Reduzieren

Oft wird deutlich mehr Verpackungsmaterial verwendet, als der Produktschutz es fordert. Dies ist zu grossen Teilen bei Lebensmittel- und Convenience-Verpackungen der Fall („Mogelverpackungen“). Aber auch in Versand und Transport wird oft zu viel Material verwendet. Der Hauptgrund: Viele Versender nutzen aus Gründen der Kostenoptimierung Versandverpackungen in Standardgrösse(n)– und füllen die entstehenden Hohlräume dann mit Füllmaterial, das in diesen Mengen bei einem passgenauen Versandkarton nicht nötig wäre.

Welche Rolle die passende Kartongrösse für die Umwelt spielt, welche Einsparmöglichkeiten sich mit optimierter Versandverpackung bieten und wie Sie mit volumenvariablen Kartons bei divergenter Grösse Ihrer Produkte in Versand und Transport flexibel bleiben, erfahren Sie im Gespräch mit unseren Kundenberatern sowie hier im Blog. Und im Webshop hilft Ihnen unser Karton-Finder in wenigen Klicks bei der Suche zum perfekten Karton.

Grundsatz Nr.2: Wiederverwenden

Eine wachsende Zahl an Unternehmen setzen statt auf Einweg- auf Mehrwegverpackungen. Diese werden nach Benutzung zurückgenommen, gereinigt und erneut verwendet. Das Wiederverwenden bringt geringeren Rohstoff- und Energieverbrauch bei der Herstellung, aber auch geringere Abfallmengen in Unternehmen und Haushalten.

Schon üblich und etabliert sind Mehrwegsysteme bei Getränke- und Molkereiprodukten, aber sie sind durchaus denkbar auch als Lösung in der Industrie oder für Transportverpackungen. Das Prinzip „Europalette“ lässt sich nämlich auch ausbauen und anwenden bei Mehrwegbehältern wie Gitterboxen und Kunststoffkisten, ideal für nachhaltiges Verpacken. Die Umstellung auf Mehrwegsysteme bedeutet aber zunächst eine nicht unerhebliche Investition: Die Logistik muss umgestellt werden, der Rücklauf der Mehrwegbehälter muss gewährleistet sein, die Reinigung -insbesondere auch vor dem Hintergrund der geltenden und aktuell verschärften Hygienevorschriften! – ist komplex und aufwändig.

Für wen eignen sich Pfand- bzw. Mehrwegsysteme? Und was gilt es zu beachten?
Unternehmen, die einen festen Kundenstamm beliefern und deren Produkte weitestgehend homogen sind in Grösse und Schutzanforderungen, profitieren von Mehrwegverpackungen. Dabei muss beachtet werden, dass die Verpackungen stabil, langlebig und gut zu reinigen sein. Für positive Effekte in Lager und Transport sollten Mehrwegbehälter genormte Masse haben und gut stapelbar sein. 
Mehrwegverpackungen im Onlinehandel?
Ein ganz wesentlicher Anteil an Verpackungsmüll fällt bei Onlinebestellungen an. Die gängigen Versandverpackung sind optimiert für den Versand per Post und so konzipiert, dass sie auch einen einmaligen Rückversand überstehen – dann ist Schluss. Entweder beim Verbraucher, spätestens aber nach dem Retourversand beim Versender werden sie entsorgt und dem Recycling-Kreislauf zugeführt. Die Strukturen für Mehrwegverpackungen im Onlinehandel sind längst nicht geschaffen. Aber: Die Akzeptanz unter den Verbrauchern wäre zumindest laut einer Studie von PwC schon mal da:
Umdenken auch beim Online-Konsumenten: 70% der Befragten wären bereit, bei Ihren Bestellungen auf Mehrweg-Versandverpackungen umzusteigen Studie pwc, Februar 2018

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Grundsatz Nr.3: Ersetzen

In Bezug auf Verpackungsmaterialien wird ausgiebig und intensiv diskutiert. Der Klassiker unter den Streitfragen? Ist Plastik generell schlechter als Papier? Es lohnt sich immer, im Einzelfall zu entscheiden. Viele Faktoren beeinflussen die Entscheidung: Schutzansprüche des Produktes, welche Einflüssen ist der Verpackungsinhalt bei Lager und Transport ausgesetzt, über welche Dauer muss der Schutz bestehen.

Es lohnt sich auch immer, den gesamten Lifecycle des Materials anzuschauen, von der Herstellung bis zur Entsorgung nach möglicherweise mehrfacher Wiederverwertung. Keiner der Wertstoffe erfüllt alle Kriterien zur Nachhaltigkeit. Wir beraten Sie gerne bei der Auswahl des passenden Verpackungsmaterials für nachhaltiges Verpacken. Aber auch wir haben (und tun es immer noch!) dazugelernt und prüfen kontinuierlich, ob es eventuell verträglichere Materialen mit denselben Schutzeigenschaften gibt. So haben wir beispielsweise Produkte aus Polystyrol aus dem Sortiment genommen und durch Produkte aus Karton ersetzt.

Hier finden Sie eine Auswahl unserer Produkte für nachhaltiges Verpacken.

Grundsatz Nr4: Nachwachsen

Wo immer es die Produktanforderungen erlauben, bieten wir Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen an. In unserem Produktsortiment erkennen Sie diese zum Beispiel am FSC oder PEFC Siegel – im Bereich Holz, Papier und Karton. Aber auch pflanzliche Stärke und PLA (abbaubares Bioplastik) werden verwendet. So ist inzwischen auch im Bereich Take-Away Verpackungen das Thema nachhaltiges Verpacken in unserem Sortiment vorherrschend – vom Pappbecher aus recycelbaren und nachwachsenden Rohstoffen bis hin zu Rührstäbchen aus Holz, die voll und ganz biologisch abbaubar sind.

Grundsatz Nr5: Recyceln

Was geschieht mit der Verpackung, nach Gebrauch? Das Schliessen der Recycling-Kreisläufe ist eine der wesentlichen Herausforderungen, denen wir uns in Bezug auf Verpackungen stellen müssen. Vom Gesetzgeber gibt es hierzu klare Vorgaben:

Erfüllen wir in der Schweiz die Recyclingquoten?

Die Recyclingquote (bezogen auf Siedlungsabfallaufkommen) gemäss des Abfallwirtschaftspakets liegen bei 55% für 2025 und bei 65% bis 2035. Aktuell errechnet sich nach geltenden Massstäben für die Schweiz eine Quote von 52% (Deutschland 67%; Österreich 59%). Damit sind die Ziele erfüllt.

Alles gut also? Nein. Denn mit dem Inkrafttreten des Abfallwirtschaftspakets gelten auch neue Berechnungsmethoden für Recyclingquoten. Die neue, outputbasierte Berechnungsmethode (der Input in Recyclingverfahren darf erst dann zur Berechnung herangezogen werden, nachdem alle vorgelagerten Prüf-, Sortier- und sonstigen vorbereitenden Verfahren zur Entfernung von nicht recycelbaren Abfällen durchlaufen wurden) wird zur Folge haben, dass in Deutschland, aber auch in Österreich und der Schweiz die Recyclingquoten absinken werden.

Auch für Verpackungen werden klare Ziele vorgegeben
Für Verpackungen werden konkrete Recyclingziele vorgegeben:

  Bis 2025  Bis 2030
Alle Verpackungen  65%  70%
Plastik  50%  55%
Holz  25%  30%
Eisenmetalle  70%  80%
Aluminium  50%  60%
Glas  70%  75%
Papier und Karton  75%  85%
Das bedeutet, dass alle drei Länder [D,AT,CH (Anm. d Red.)] erhebliche Anstrengungen unternehmen müssen, um die Recyclingziele zu erreichen.Thomas Obermeier, Sylvia Lehmann (TOMM+C)

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